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Symposium der »ARGE Kulturelle Dynamiken« zum Themenkomplex "Visualisierung"

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MOTIVATION
Das fünfte Symposium der ARGE Kulturelle Dynamiken untersucht Formen und Folgen der Visualisierung von Kulturgütern, kulturellem Erbe, Wissen und Kommunikation durch (neue) Technologien und künstlerische Strategien. Neben Medientheorien, kultur- und kunstwissenschaftlicher Forschung zu Artefakten, Text-, Sprach- und Bildwissenschaften, sind unter anderem Medizin, Geologie, Technik und Raumwissenschaften, Politologie, Psychologie, Soziologie, Kognitions- und Bildungsforschung aufgefordert, Visualisierungsmechanismen der Gegenwartskultur zu analysieren.

Aus ästhetischer und pragmatischer Perspektive soll beleuchtet werden, wie durch Technologien (u.a. IT, GPS, Graphic Design, Installation und Bühnentechnik) ein Großteil des materiellen und immateriellen Kulturguts visualisiert wird und durch Visualisierung neue Artefakte sowie Kunst- und Vermittlungsformen entstehen (Comics, Graphic Novel, neue Medien im Theater). Kulturgeschichtlich rekurrieren diese auf alte Muster der Informationsuni Wissensvermittlung durch Bilder. Sie können als Medium eines unbegreiflichen Denkens verstanden werden. Welche ästhetischen Parameter werden wie und wofür aktiviert? Als beispielsweise im Mittelalter die meisten Menschen nicht lesen konnten, wurde die Bibel über Bildfolgen, Verkörperung, theatrale Darstellung und Spektakel vermittelt – über Kreuzwegdarstellungen, Mysterienspiele, skulpturale Kunst an Portalen. Die Visualisierung der Kommunikation, Werbe- und Gebrauchsbildästhetik eröffnet umgekehrt Fragen des Sprachgebrauchs und Leseverhaltens: Wie verändern Bilder unser sprachliches Verhalten? Wie evoziert Sprache Bilder? Welche Konsequenzen hat die Proliferation von Bildern auf die kognitive Entwicklung und Sprachkompetenz? Wie versteht sich Verniedlichung als Mittel politischer Kommunikation?
Aus wissenschaftstheoretischer und bildungspolitischer Sicht soll erörtert werden, welche epistemologischen Konsequenzen Visualisierungsverfahren haben. Bei der Herausbildung einzelner Wissenschaftsdisziplinen im 19. Jahrhundert trennen sich die Geschichtswissenschaften von den Bildern, was sich wiederum in der Ausgestaltung und Ausdifferenzierung der Kunstmuseen im Gegensatz zu den Heimatmuseen, völkerkundlichen und naturhistorischen Sammlungen niederschlägt. Die kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Visualisierung soll im Vergleich zu naturwissenschaftlichen, technischen und medizinischen Begrifflichkeiten und Verfahren positioniert werden. Wie verhalten sich solche Ausdifferenzierungen zu modernen bild-basierten Wissenskulturen?

Darauf aufbauend will das Symposium diskutieren, welche Anwenderbereiche sich aus der Visualisierung von Wissen für einzelne Disziplinen ergeben; z.B. Simulation, Animation und Digitalisierung in der Medizin, der Wandel in Technologien zum Sichtbarmachen von Strukturen, die dem bloßen Auge verborgen sind: von der Mikroskopie über Röntgen zu CT, DNA-Analyse, Visualisierung für den Nanobereich, bildgebende Verfahren in den Kognitionswissenschaften; Kartographie, Architekturmodelle. Des Weiteren soll untersucht werden, welche Auswirkungen diese neuen Möglichkeiten der Visualisierung auf den Einzelnen und die Gesellschaft haben. Tendenzen der Akkumulation und Beschleunigung von Informationsflüssen werfen Fragen der Reizüberflutung und Informationssättigung, des Lernerfolgs oder -misserfolgs auf. Welche Auswirkungen haben bildgebende Verfahren auf konzeptionelle Leistungen (Mind-maps, Grafiken) und wie werden sie in modernen Bildungs- und Forschungseinrichtungen genutzt?

Details zum Programm: Einl_OEFG_KD_Visualisierung_WEB