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Die Frauen der Wiener Moderne
Herausgegeben von Lisa Fischer und Emil Brix
1997. 242 Seiten, öS 298,-/EUR 21.66
ISBN 3-7028-0348-3 Verlag für Geschichte und Politik Wien
ISBN 3-486-56290-8 Oldenbourg Wissenschaftsverlag
"Es gibt Frauen, die Heldinnen sind, von denen man aber nie etwas erfahren würde, wenn es nicht Frauen gäbe, die ungehörige Fragen stellen" (Lina Loos).
Ungehörige Frauen:
Sich mit Ungehörigkeit Gehör zu verschaffen, auf der Suche nach der Bewegung, gegen das körperliche und geistige Korsett und für den Aufbruch zur Selbstachtung und Selbstwerdung, das war der Motor der bewegten Frauen im Wien um 1900, der sie in Konflikt mit den gesellschaftlichen Normen und den männlichen Repräsentanten brachte. Eine Voraussetzung des ungewöhnlich kreativen Klimas des Fin de siècle war ein weibliches Selbstverständnis, das zu professioneller Selbstbestimmung drängte und dabei gesellschaftspolitische Forderungen und Visionen formulierte. Die Ausdifferenzierung ganz unterschiedlicher Frauenrollen war ein wesentliches Merkmal der österreichischen Moderne. Sie dauert bis heute an. In Wien um 1900 wurden der Zusammenbruch der Geschlechteridentität und die Forderung nach Frauenemanzipation zum Teil einer Kritik an der Moderne im Moment ihrer Entstehung.
Erstmals in der Jahrhundertwendeforschung wurde in der Betrachtung dieser Zeit ein anderer Blickwinkel eingenommen. Der Schwerpunkt der Analyse liegt bei den weiblichen Gestalterinnen der Geschichte und den Realisierungen der Lebensentwürfe in einem bürgerlichen Kontext. Der kulturelle Aufbruch, zuerst gefaßt als eine Explosion von Kreativität, war vor allem durch den Aufbruch der Frauen bestimmt und wurde durch den daraus resultierenden Konflikt zu den männlichen Konkurrenten vorangetrieben. Der Rahmen, in dem sich die Grenzen und Freiräume weiblichen Agierens und die daraus enstehenden Widersprüche und Spannungen darstellen lassen, ist Grundlage für eine Analyse der Wiener Moderne und gleichzeitig Wegweiser durch das 20. Jahrhundert.
Aus dem Inhalt:
C.Balk
Inszenierte Weiblichkeit
B.Bruns
Hermaphrodit oder das Geschlecht der Moderne
L.Fischer
Über die erschreckende Modernität der Antimoderne der Wiener Moderne
H.Hacker
Zeremonien der Verdrängung
W. Heindl
Frauenbild und Frauenbildung in der Wiener Moderne
E. Hurnikowa
Die Frauen in der österreichischen und polnischen Literatur um die Jahrhundertwende
J. M. Johnson
Schminke und Frauenkunst
K. Jusek
Entmystifizierung des Körpers?
U. Kubes-Hofmann
Intellektuelle Frauen am Beispiel Rosa Mayreder und Helene von Druskowitz
J. Nautz
Zwischen Emanzipation und Integration
S. Plakolm-Forsthuber
Stein der Sehnsucht, Stein des Anstoßes
E. Sagarra
Die Frauen der Wiener Moderne im Zeitkontext
R. Sandgruber
Verkehr und Frauenemanzipation
B. Spreitzer
Selbstschöpfung - Fremdwerden
M. Tichy
Feminismus und Sozialismus um 1900
S. Zimmermann
Frauenarbeit, soziale Praktiken und die Umgestaltung von Geschlechterverhältnissen
im Wien der Habsburgermonarchie.