Fehler in Wissenschaft und Kunst
 

Symposium des Schwerpunkts Wissenschaft und Kunst der
Universität Salzburg und der Universität Mozarteum

und der

ARGE „Wissenschaft und Kunst“ der
Österreichischen Forschungsgemeinschaft

29. – 30. Mai 2009

Veranstaltungssaal der
Österreichischen Gesellschaft für Musik
Hanuschgasse 3, 1010 Wien


Lageskizze
Lageskizze

Anmeldung
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Freitag, 29. Mai 2009

09.30 Eröffnung

09.45 Otto Neumaier (Salzburg)
Wer oder was fehlt bei einem Fehler?

10.15 Diskussion

10.30 Stefan Bienenstein (Wien)
Fehler in der Psychotherapie. Vom Nutzen und Nachteil eines ungeliebten Begleiters

11.00 Diskussion

11.50 Pause

11.45 Maria Spychiger (Frankfurt)
Reflexion und Selbstreflexion im Prozess des Lernens aus Fehlern

12.15 Diskussion

12.30 John Wettersten (Koblenz)
Aus Fehlern lernen. Ein institutionelles Problem

13.00 Diskussion

13.15 Mittagspause

14.15 Wolfgang Huemer (Parma)
Fehler im fiktionalen Diskurs. Grenzen der dichterischen Freiheit

14.45 Diskussion

15.00 Herwig Gottwald (Salzburg)
Warum erkennt König Lear den Grafen Kent nicht? Überlegungen zu Fehlern und deren Ursachen in literarischen Meisterwerken

15.30 Diskussion

15.45 Pause

16.15 Gerhard E. Winkler (Salzburg)
Systemfehler in der neuen Musik

16.45 Diskussion

17.00 Peter D. Moser (Salzburg)
Nochmals zu den “Drei Philosophen”. Wurde der Giorgione-Code im Kunsthistorischen Museum wirklich geknackt?

17.30 Diskussion

Samstag, 30. Mai 2009

09.30 Rupert Breitwieser (Salzburg)
Ärztliche Kunstfehler und Irrtümer in der antiken Heilbehandlung

10.00 Diskussion

10.15 Andreas Metzner-Szigeth (Münster)
Über fehlerhafte “Konstruktionen” in Wissenschaft und Technik

10.45 Diskussion

11.00 Pause

11.30 Wolf-Dietrich Nagl (München)
Über unmögliche und unvermeidbare Irrtümer. Wissen mit formaler Logik und Naturgesetzen

12.00 Diskussion

12.15 Schlussgespräch

13.00 Schluss

Die Referenten:

Stefan BIENENSTEIN, Psychotherapeut, Lehrtherapeut und Supervisor, Wien
Rupert BREITWIESER, Fachbereich Altertumskunde, Universität Salzburg
Herwig GOTTWALD, Fachbereich Germanistik, Universität Salzburg
Wolfgang HUEMER Dipartimento di Filosofia, Università di Parma
Andreas METZNER-SZIGETH, Institut für Soziologie, Universität Münster
Peter D. MOSER, Rechtsphilosoph, Salzburg
Wolf-Dietrich NAGL, Physiker, Wien / München
Otto NEUMAIER, Fachbereich Philosophie, Universität Salzburg
Maria SPYCHIGER Fachbereich Musikpädagogik, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt
John WETTERSTEN, Abteilung Politikwissenschaft, Universität Koblenz
Gerhard E. WINKLER, Komponist, Salzburg

“Alle Menschen streben von Natur nach Wissen.” Diese Annahme des Aristoteles wird zwar durch das beobachtbare Verhalten der Menschen bis zu einem gewissen Grad bestätigt, doch gilt dies ähnlich auch für jene Einsicht, die Goethe im Vorspiel im Himmel zu seinem Drama “Faust” Gott selbst in den Mund legt, nämlich: “Es irrt der Mensch so lang er strebt.” Dies ist insofern auch gar nicht schlimm, als gerade Fehler, die uns beim Streben nach Wissen unterlaufen, Lernprozesse anstoßen und auch sonst zu einem kreativen Umgang damit herausfordern. Dies gilt nicht nur für das wissenschaftliche Erkenntnisstreben, sondern auch für die Kunst, die zumal in den Augen von Kunstschaffenden weniger mit Schönheit zu tun hat als mit Erkenntnis.
Mit Bezug auf das Ziel der Erkenntnis gelten Fehler dennoch oft als unerwünscht, und es stellt sich nicht nur die Frage, wie sie vermieden werden können, sondern auch, mit welchen Konsequenzen jemand rechnen muss, dem oder der Fehler unterlaufen. Indes ist selbst in den Wissenschaften nicht immer klar, was überhaupt ein Fehler ist; wie bereits Wittgenstein bemerkt hat, gibt es “einen Übergang von einem Rechenfehler zu einer anderen Art des Rechnens.” In diesem Sinne kann der Fall eintreten, dass sich ein “Fehler” als Quelle wissenschaftlichen Fortschritts entpuppt (wie z.B. im Falle der Entdeckung der Röntgenstrahlen). Überhaupt ist die entscheidende Frage, was sich aus Fehlern lernen lässt. Deshalb mag “Fehlerfreundlichkeit” für Kreativität förderlicher sein als das Ächten von Fehlern als etwas, das wir tunlichst vermeiden sollten. Allem Anschein nach ist die Offenheit für die Möglichkeit einer “anderen Art des Rechnens” sogar einer der Aspekte künstlerischer Kreativität, deren eher spielerischer Umgang mit Regeln auch für die Wissenschaften lehrreich sein kann.
Im Symposium soll diese Vielfalt der Rolle von Fehlern in Wissenschaften und Künsten genauer betrachtet werden. Es geht mithin sowohl um Fehler, die wegen ihrer Konsequenzen vermieden werden sollten, und um die Verantwortung dafür, als auch und erst recht um den schöpferischen Aspekt, um die Frage, inwiefern Fehler notwendig sind, um die Kreativität anzuregen und unser Bewusstsein zu bilden, sowie darum, inwiefern sie sogar etwas Heilsames an sich haben können.

Organisation: Otto Neumaier

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