Geschöpf – Krone der Schöpfung –
Mitschöpfer
Der Mensch: ein Abbild Gottes?
Symposium der
Arbeitsgemeinschaft "Topologien des Menschlichen"
der Österreichischen Forschungsgemeinschaft
5. - 6. Dezember
2008
Theatersaal der
Akademie der Wissenschaften
Sonnenfelsgasse 19, 1010 Wien
Lage-Skizze
Anmeldung

Freitag,
5. Dezember, 9.00-17.30
9.00 Uhr Begrüßung / Einleitung
Clemens SEDMAK, Salzburg
Karl-Josef KUSCHEL
(Tübingen)
Der Mensch – Abbild oder Statthalter Gottes? Konsequenzen für
Juden, Christen und Muslime
Diskussion
Kaffeepause
11.00 Uhr
Eckhard NORDHOFEN
(Limburg/Gießen)
Der Mensch – Gottesbild oder Gottesmedium?
Diskussion
Paul JANZ (London)
Abbild Gottes, Weltoffenheit und die Logik des Scheins
Diskussion
Mittagspause
14.30 Uhr
Georg FISCHER (Innsbruck)
"... nach unserem Bild und unserer Ähnlichkeit". Die provokante
Aussage von der Erschaffung des Menschen im Horizont von Altem
Testament und Altem Orient
Diskussion
Kaffeepause
16.15 Uhr
Gerhard LAUER (Göttingen)
Wie die Literatur den Menschen bildet. Der Mensch als Abbild Gottes in
der Literatur
Diskussion
Samstag,
6. Dezember, 9.00 – 13.30
Lothar LAUX / Claudia SCHMITT
(Bamberg)
"Die Gottheit als Komödiant": Die Ebenbildlichkeit des Menschen
mit Gott aus psychologischer und psychodramatischer Perspektive
Diskussion
Kaffeepause
Charlotte SCHUBERT (Leipzig)
Der hippokratische Eid und die Vorstellung von der Unverletzlichkeit
menschlichen Lebens
Diskussion
Heinrich SCHMIDINGER (Salzburg)
Topologien des Menschlichen – Rückblick und Resümee
Diskussion
Pro Referat sind 45 Min. (für das
Doppelreferat 60 Min.), pro Diskussion 30 Min. vorgesehen
Die
Referenten
Univ.Prof. Dr. Georg FISCHER, Institut für Bibelwissenschaft und
Historische Theologie, Universität Innsbruck
Dr. Paul JANZ, Department of Theology and Religious Studies,
King´s College London
Univ.Prof. Dr. Karl-Josef KUSCHEL, Institut für Ökumenische
Forschung, Universität Tübingen
Univ.Prof. Dr. Gerhard LAUER, Seminar für Deutsche Philologie,
Universität Göttingen
Univ.Prof. Dr. Lothar LAUX, Lehrstuhl Persönlichkeitspsychologie,
Universität Bamberg
Hon.Prof. Dr. Eckhard NORDHOFEN, Leiter des Dezernats Bildung und
Kultur, Bistum Limburg; Honorarprofessor am Institut für
Katholische Theologie, Universität Gießen
Univ.Prof. Dr. Heinrich SCHMIDINGER, Fachbereich Philosophie der
Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg
Dipl.Psych. Claudia SCHMITT, Lehrstuhl Persönlichkeitspsychologie,
Universität Bamberg
Univ.Prof. Dr. Charlotte SCHUBERT, Historisches Seminar, Lehrstuhl
für Alte Geschichte, Universität Leipzig
Univ.Prof. DDDr. Clemens SEDMAK, Fachbereich Philosophie der
Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg
Motivation
Absicht der Tagungsreihe „Topologien
des Menschlichen“, die auch Grundlage einer Buchreihe in der
Wissenschaftlichen Buchgesellschaft ist und 2008 ihren Abschluss
findet, ist es, eine transdiziplinäre Verständigung
darüber herzustellen, was sich unter den Bedingungen des
gegenwärtigen Wissens an grundlegenden Aussagen über den
Menschen machen lässt. Den Anlass dazu bietet nicht nur der
Umstand, dass die Frage nach dem Selbstverständnis, das der Mensch
von sich hat, immer aktuell und jederzeit von ausschlaggebender
Relevanz ist, sondern mehr noch die Tatsache, dass die heutige
transdisziplinäre Verständigung über das, was den
Menschen ausmacht, immer schwieriger, zugleich aber immer dringlicher
wird. Auf der einen Seite hat kaum mehr jemand den Traum von einer
umfassenden metaphysischen Anthropologie, die alle wissenschaftlichen
Erkenntnisse über den Menschen in sich integrieren und so etwas
wie eine umfassende Übertheorie bilden könnte, die sich
jenseits der einzelwissenschaftlichen Erkenntnisse ansiedelte, eine
neue Philosophie nach altem Muster sozusagen, die sich ohne
Rücksicht auf die Fortschritte der diversen Wissenschaften
entfaltete. Dazu haben sich die wissenschaftlichen Disziplinen viel zu
stark differenziert. Auf der anderen Seite kann es aber nicht bei
diesem Fazit bleiben, denn die ständig neuen Erkenntnisse, die
sich in den einzelnen Disziplinen – was ihre konkreten Inhalte, das
Tempo ihrer Gewinnung sowie die Grade ihrer Bedeutung betrifft – in
sehr unterschiedlicher Weise einstellen, erhalten früher oder
später zwangsläufig an transdisziplinärer Relevanz,
müssen also zueinander in Beziehung gesetzt werden.
Die Rede vom Menschen als dem Abbild Gottes geht zunächst auf
wirkmächtige jüdisch-christliche Tradition zurück.
Gleich im ersten Kapitel des biblischen Buches Genesis wird der Mensch
als Sondergeschöpf ausgewiesen. „Und Gott schuf den Menschen nach
seinem Bild, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau
schuf er sie“ (Vers 27). Der biblische Schöpfungsmythos bringt
diese Abbildhaftigkeit unwillkürlich mit der Verantwortlichkeit
des Menschen einerseits und „Herrscherlichkeit“ desselben andererseits
in Verbindung (Vers 26: „Sie sollen herrschen über die Fische des
Meeres und die Vögel des Himmels…:“). Dieses Motiv, das in Genesis
1,28 als expliziter Imperativ zu sehen ist, findet sich an prominenter
Stelle wieder in den Psalmen, etwa im viel zitierten Psalm 8 (Vers
6-9): „Du hast ihn fast zu einem Gotteswesen gemacht, hast ihn
gekrönt mit Glorie und Glanz. Du hast ihm Macht gegeben über
das Werk deiner Hände …“ Hier wird die Gottebenbildlichkeit mit
dem Motiv der Herrscherverantwortung, aber auch mit dem Topos der
„Krone der Schöpfung“ ins Verhältnis gesetzt.
Vom Menschen als Abbild Gottes ist jedoch nicht nur im
jüdisch-christlichen Kontext die Rede. Sowohl in den Hochkulturen
des vorderen Orients und Ägyptens als auch in hellenistischer und
römischer Zeit wurde einzelnen, herausragenden Menschen
Göttlichkeit zugesprochen – in der Regel Herrschern, Helden und
Dichtern/Künstlern. Sie wurden als Götter verehrt, waren
nicht selten Inkarnationen göttlicher Macht und insofern
vergegenwärtigten sie Göttliches – wie Bilder nach
vorneuzeitlichem Verständnis Wirklichkeiten vermittelten. Diese
Auffassung von Herrschertum ging von der Antike auf das Mittelalter, ja
bis auf den Absolutismus und den Gedanken vom „Gottesgnadentum“
über – gleichermaßen verteilt auf politische und
religiöse Ämter und Funktionen.
Ebenso einflussreich wurde in diesem Zusammenhang die platonische
Philosophie mit ihrem Verständnis von der erfahrbaren Wirklichkeit
als Abbild eines urbildlichen Ideenhimmels. Vermittelt über
Plotins Neuplatonismus begründete sie ein Weltbild, welches alles
Wirkliche zum Zeichen, Symbol, Bild des Transzendenten machte.
Prominent wird schon bei Platon der Mensch mit „göttlichen
Vorzügen“ ausgestattet und in einer „Verwandtschaft mit Gott“
(Dialog Protagoras 322a) gesehen. Die spätantik-christliche
Definition des Menschen als Person ist davon wesentlich inspiriert. Sie
verbindet im anthropologischen Begriff des „Abbilds Gottes“ die
biblische Tradition mit der platonischen.
Auf beidem basiert wiederum die Begründung für die Rede von
der Würde des Menschen. In ihr reflektiert sich nicht allein die
Überzeugung von der inkommensuarblen Einmaligkeit jedes Menschen,
sondern ebenso der Glaube an die unüberbietbare Wertschätzung
des Menschen durch Gott – christlich verstärkt durch die Theologie
von der Menschwerdung Gottes, die sich letztlich auf alle Menschen
erstrecken soll, sprich auf jeden Menschen, auf den Menschen als
solchen. Es lässt sich nachweisen, dass diese Auffassung fast alle
Bereiche der europäischen Kultur erfasst hat – selbst dann noch,
als die Säkularisierung der meisten Lebensbereiche neu zu formen
begann. Sogar während der Aufklärung, in der durch Kant der
Autonomiebegriff als Begründung der Menschenwürde in den
Mittelpunkt tritt, wirkt sowohl das klassische
Personalitätsverständnis als auch das bereits in der Bibel
anklingende Bild von dem über alle Welt und Umwelt herrschenden
Menschen nach.
Die Tagung geht Spuren und Wurzeln, Implikationen und Herausforderungen
der Rede vom Menschen als dem Abbild Gottes nach: Hier ist einmal die
Rede von der Kreatürlichkeit des Menschen (Mensch als
Geschöpf), die sich bereits aus der Verortung des Diskurses
über die Ebenbildlichkeit aus dem Schöpfungsbericht ergibt.
Die gemeinsame Kreatürlichkeit wird ihrerseits ein wichtiger Motor
zur Ausbildung der Rede von „Gleichheit“. Sodann die Rede vom Menschen
als der Krone der Schöpfung: Der Mensch ragt nach dem
Verständnis aller monotheistischen Religionen aus der hierarchisch
strukturierten Schöpfungsordnung heraus. Es genügt zu
erwähnen, dass diese Sicht der Dinge über die Anfragen an den
Menschen als „verfehlte Schöpfung“ (Cioran), als „Irrläufer
der Evolution“ (Koestler) oder gar als „Untier“ (Horstmann)
brüchig geworden ist. Schließlich die Rede vom Menschen als
dem Mitschöpfer, die sich wiederum aus der Verbindung von
Geschaffensein und herrscherlicher Schöpfungsverantwortung ergibt:
Wird der Mensch nicht zuletzt deshalb als „Partner Gottes“
positioniert, weil in der jüdischen Tradition ein striktes
Bilderverbot herrscht (Buch Exodus 20,4), das durch die
Überzeugung von der Gottebenbildlichkeit des Menschen gleichzeitig
relativiert wurde?
Ist die Rede vom Menschen als dem Abbild Gottes „bloß“ historisch
interessant? Spielt dieser Topos nicht vielmehr eine systematische
Rolle im Verständnis und Selbstverständnis des Menschen,
gerade auch in Fragen der Begründung der Menschenwürde, die
ja wiederum den Kern der Begründung der Menschenrechte darstellt?
Hat die Rede von der Sonderposition des Menschen in der Natur in Zeiten
einer ökologischen Ethik nicht besondere Konturen gewonnen? – Zum
Abschluss dieser Tagungsreihe wird der Projektleiter Resümee
ziehen und einen Ausblick auf die mögliche Bedeutung der
„Topologien des Menschlichen“ für sich abzeichnende Anthropologien
geben.
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Tagungsbänden