Öffentliche Religionen in Österreich:
Politikverständnis und zivilgesellschaftliches
Engagement

 

Fachtagung der ARGE „Religion – Gewalt – Politik“
Österreichische Forschungsgemeinschaft


2. – 4. Juni 2011

Evangelische Akademie (Albert-Schweitzer-Haus)
Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien


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FOCUS

Die diesjährige Fachtagung der „ARGE Politik – Religion – Gewalt“ der Österreichischen Forschungsgemeinschaft untersucht die Religionspolitik ausgewählter Religionsgemeinschaften in Österreich sowie deren zivilgesellschaftliches und öffentliches Engagement. Ziel der Tagung ist es, den Begriff der „öffentlichen Religionen“ (public religions) im österreichischen Kontext zu konkretisieren und damit einen theoretischen und empirischen Beitrag zur aktuellen politischen und wissenschaftlichen Debatte über Religion und Politik zu leisten.

In der wissenschaftlichen Literatur verwies der Begriff „öffentliche Religionen“ (José Casanova, Public Religions in the Modern World, 1994) für längere Zeit in erster Linie auf die Rolle der Religionen als Motor für zivilgesellschaftliches Engagement. Religionen als Institutionen und politische Akteure standen nicht im Mittelpunkt der Forschung zu public religions, obwohl doch gerade die öffentlich-politische Institutionalisierung in Systemen selektiver Kooperation zwischen Staat und Religionsgemeinschaften, wie wir es in Österreich beispielhaft vorfinden, als Basis für die politische und zivilgesellschaftliche Rolle von Religionen angesehen werden sollte. Die jüngere Forschung hat daher den Begriff der öffentlichen Religion ausgeweitet und sowohl das offizielle politische Handeln wie auch das zivilgesellschaftliche Engagement der Religionen in den Blick genommen.

Die ARGE-Fachtagung 2011 trägt dieser Debatte Rechnung. Sie untersucht einerseits die politische Rolle von anerkannten Religionen in Österreich (Katholische, Evangelische und Orthodoxe Kirchen, Judentum und Islam) aus der Sicht ihrer offiziellen Vertreter und ihrer Lehre, und fragt andererseits nach der öffentlichen Rolle von Religionen in konkreten gesellschaftlichen Handlungsfeldern durch ihre amtlichen und in diesem Sinne repräsentativ-institutionellen VertreterInnen. Die Leitfragen der Auseinandersetzung sind, erstens, Fragen nach dem Verhältnis der normativen Tradition zu den verfassungsrechtlichen Grundlagen der modernen Gesellschaft bzw. des modernen Staates, und zweitens nach der konkreten Verbindung, die zwischen Lehre und politisch-öffentlichem, zivilgesellschaftlichem Handeln bestehen.


PROGRAMM

Donnerstag, 2. Juni 2011

16.00-18.30

„Erinnerungsräume – Architektur und symbolische Besetzung des öffentlichen Raumes: Juden und Türken in Wien“
(Führung zu ausgewählten Plätzen Wiens)
Dr. Gabriele KOHLBAUER (Kuratorin am Jüdischen Museum Wien) und 
Dr. Kerstin TOMENENDAL (Österr.-Türkisches Wissenschaftsforum, Wien)
Treffpunkt: Albert-Schweitzer-Haus, Schwarzspanierstraße 13

19.30 Uhr

Begrüßung: Univ.Prof. Dr. Wolfgang PALAVER (ARGE-Leiter)
Einführung in das Tagungsthema: Univ.Prof. Dr. Jürgen NAUTZ (Universität Wien), Univ.Prof. Dr. Roman SIEBENROCK (Universität Innsbruck)

Univ.Prof. Dr. Ernst BRUCKMÜLLER, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Zentrum für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung
Die Frage nach dem Katholischen an und in Österreich

Diskussion

Freitag, 3. Juni 2011

Politikverständnis und politisches Handeln öffentlicher Religionen
(Judentum, Islam, orthodoxes, evangelisches und katholisches Christentum in Österreich)

9.00

Prof. Dr. Chaim EISENBERG, Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde

Response: Univ.Prof. Dr. Klaus Samuel DAVIDOWICZ, Institut für Judaistik der Universität Wien

Diskussion
Kaffeepause

10.45

Dipl.Ing Mouddar KHOUJA, langjähriger persönlicher Referent des Präsidenten der IGGiÖ sowie Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Response: Dr. Farid HAFEZ, Politikwissenschaftler und Lehrbeauftragter am Institut für Orientalistik der Universität Wien

Diskussion
Mittagspause, kleine Stärkung

13.00

Dr. Nicolae DURA, Bischofsvikar der rumänisch-orthodoxen Kirche in Österreich

Response: Dr. Stamatios GEROGIORGAKIS, Projektmitarbeiter am Lehrstuhl für Orthodoxes Christentum der Universität Erfurt

Diskussion
Kaffeepause

14.45

Dr. Raoul KNEUCKER, Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche Österreich und Honorarprofessor am Institut für Praktische Theologie und Religionspsychologie der Evang.Theol. Fakultät der Universität Wien

Response: Univ.Prof. Dr. Christian DANZ, Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft und Dekan der Evang.Theol. Fakultät der Universität Wien

Diskussion

16.00

Dipl.Ing. Mag. Stephan TURNOVSZKY, Weihbischof der Erzdiözese Wien

Response: Univ.Prof. Dr. Roman SIEBENROCK, Institut für Systematische Theologie der Kath.Theol. Fakultät der Universität Innsbruck

Diskussion
Kaffeepause

18.00

Univ.Prof. Dr. Rüdiger LOHLKER, Institut für Orientalistik der Universität Wien
„Islamische Grammatik des demokratischen Handelns“

Diskussion

Samstag, 4. Juni 2011

Zivilgesellschaftliches Engagement öffentlicher Religionen (Vorträge/Inputs von Praktikern)

09.00

Dr. Gabriele KOHLBAUER, Kuratorin am Jüdischen Museum Wien, und

Dr. Kerstin TOMENENDAL, Österr.-Türkisches Wissenschaftsforum, Wien
Vortrag zum Thema „Jüdische und muslimische Identität im Wien von Heute“

Mag. Zeynep ELIBOL, Berufsorientierte Islamische Fachschule für Soziale Bildung

Vortrag zum Thema „Islamische Seelsorge“

Diskussion
Kaffeepause

11.00

Mag. Karima AZIZ, Projektmitarbeiterin von Missing Link, Caritas Wien (Asyl & Integration):
Vortrag zum Thema „Religion - eine Frage der Integration? Das Projekt Zusammen Reden: Profil und Erfahrungen“

Univ.Prof. Dr. Jürgen NAUTZ, Institut f. Volkswirtschaftslehre, Universität Wien

Vortrag zum Thema „‘Markenkern evangelisch’? Zur Diskussion und Praxis evangelischer sozialer Arbeit zwischen Zeugnis und wirtschaftlicher Rationalität“

Diskussion
Mittagspause, kleine Stärkung

13.30-15.30

Abschlussdiskussion – Beobachtungen zum Gesamtprozess

PodiumsteilnehmerInnen:
Univ.Prof. Dr. Ednan ASLAN, Islamische Religionspädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien
Gerd BRENDEL, Theologe und Journalist, Berlin
Dr. Elisabeth DÖRLER, Islambeauftragte der Diözese Feldkirch
Univ.Prof. Dr. Józef NIEWIADOMSKI, Institut für Systematische Theologie und Dekan der Kathol.Theol. Fakultät der Universität Innsbruck
Univ.Prof. Dr. Kurt SALAMUN, Institut f. Philosophie der Universität Graz

Moderation: Angelika Walser, Wien

Diskussion


Die Fachtagung „Öffentliche Religionen in Österreich: Politikverständnis und zivilgesellschaftliches Engagement“ der Arbeitsgemeinschaft „Politik – Religion – Gewalt“ der Österreichischen Forschungsgemeinschaft und der Forschungsplattform „Politik – Religion – Kunst “ der Universität Innsbruck 
ist die sechste einer Reihe von Tagungen, die sich der interdisziplinären Diskussion und kritischen Befragung verschiedener Rahmentheorien zum Verhältnis von Politik, Religion und Gewalt widmen.

2006:  PARADISE NOW!? Politik – Religion – Gewalt im Spiegel des Films
2007:  Westliche Moderne, Christentum und Islam. Gewalt als Anfrage an monotheistische Religionen
2008:  Politik, Religion, Markt: Die Rückkehr der Religion als Anfrage an den politisch-philosophischen Diskurs der Moderne
2009:  Politische Philosophie vs. Politische Theologie? Die Frage der Gewalt im Spannungsfeld von Politik und Religion
2010:  Von Ödipus zu Eichmann: Kulturanthropologische Voraussetzungen von Gewalt
2011, 2.– 4. Juni: Öffentliche Religionen in Österreich: Politikverständnis und zivilgesellschaftliches Engagement (Tagungsort: Wien)
2012, 7.–10. Juni: „Are the Wars of Religion a Modern Myth? An Interdisciplinary Reassessment“ (Tagungsort: Innsbruck)

Tagungsband 2006
Tagungsband 2007
Tagungsband 2008
Tagungsband 2009

Kontakt und Information:

Univ.-Ass.Prof. Dr. Dietmar Regensburger, Institut für Systematische Theologie, Universität Innsbruck, Karl-Rahner-Platz 1, A-6020 Innsbruck
Tel.: (43) (512) 507-8569; E-mail: Dietmar.Regensburger(at)uibk.ac.at

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