Begrüßung
Heinrich NEISSER, Präsident der Österreichischen
Forschungsgemeinschaft
Walter BERKA, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates
Laudatio
Gottfried MAGERL
Überreichung des Preises
Festvortrag
Helmut RAUCH
KEIN ENDE NATURWISSENSCHAFTLICHER FORSCHUNG !
Musik
Werke von György Ligeti und Kurt Schwertsik
sowie eine Uraufführung ("quantensprünge") von
Hannes Raffaseder
Ausführende: das Bläserquintett QuinTonic
Im Anschluß bittet der Rektor
der Technischen Universität Wien zu einem Glas Wein
HELMUT RAUCH wurde 1939 in Krems an der Donau geboren. Dem Abschluss
des Bundesrealgymnasiums folgte das Studium der Technischen Physik an
der TU Wien, wo er 1965 als einer der ersten am Atominstitut der
Österreichischen Universitäten dissertierte und sich 1970
für das Fachgebiet „Neutronen- und Reaktorphysik“ an der TU Wien
habilitierte. Unter seinen Lehrern waren es besonders G. Ortner und F.
Regler, die ihn prägten. 1972 erfolgte die Berufung zum
ordentlichen Universitätsprofessor für Experimentelle
Kernphysik an der TU Wien sowie die Übernahme der Leitung des
Atominstituts, die er bis 2005 innehatte. Dem Institut für
Experimentelle Kernphysik der TU Wien stand er von 1972-1979, dem
Institut für Kernphysik, abwechselnd mit E. Eder, von 1980-1996
vor. Im Jahr 1974 gelang es Rauch gemeinsam mit seinen Kollegen Treimer
und Bonse erstmals, die Wellennatur von monochromatischen Neutronen,
also von Strahlen massiver Partikel, durch Interferenz zu beobachten.
Noch verblüffender waren Experimente zur Selbstinterferenz
einzelner Neutronen, die in einer makroskopischen Versuchsanordnung den
Nachweis der Nichtlokalität und Nichtseparabilität des
Quantengeschehens erbrachten. Weitere Aufsehen erregende Versuche
betrafen die 4π-Symmetrie von Spin-1/2-Teilchen und die
Spin-Superposition im makroskopischen Experiment. 1979-1980 erfolgte
ein einjähriger Gastaufenthalt an der Kernforschungsanlage
Jülich. Im Zuge eines Forschungsaufenthaltes am Hochflussreaktor
des Institut Laue-Langevin in Grenoble gelang 1983 durch Experimente
zum Energieaustausch zwischen Neutronen und Magnetfeldern der Nachweis,
dass eine quantenphysikalische Messung die Phasenbeziehung von
Materiewellen nicht (zer)stört. Weitere von Helmut Rauch in
Grenoble durchgeführte Versuche legten die Deutung nahe, dass
dasselbe Neutron zu jedem Zeitpunkt als Welle UND als Teilchen
existiert. 1985-1990 übernahm Helmut Rauch die Funktion des
Vizepräsidenten, 1991-1994 des Präsidenten des FWF. Von
seinen zahlreichen weiteren Funktionen seien erwähnt: Mitglied des
Wissenschaftlichen Rats der Europäischen Spallationsquellen
(1992-2003), des Executive Council der European Science Foundation
(1996-1999), des Executive Council der European Neuron Association
(seit 1999). Helmut Rauch ist u.a. Mitglied der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften, der Academia Europaea und der Deutschen
Akademie der Naturforscher „Leopoldina“ Halle.
Mit dem LUDWIG WITTGENSTEIN-PREIS
DER ÖSTERREICHISCHEN FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT
soll aus gegebenem Anlaß, jedoch höchstens einmal im Jahr,
entweder die hervorragende Leistung einer Persönlichkeit oder ein
hervorragendes Werk auf wissenschaftlichem Gebiet ausgezeichnet werden.
Der Preis kann einem Wissenschaftler sowohl für eine
außergewöhnliche einzelne Leistung als auch für
mehrere, ein Gesamtwerk bildende Arbeiten verliehen werden. Der Ludwig
Wittgenstein-Preis soll grundsätzlich nicht geteilt werden. Nur im
Falle der Auszeichnung eines wissenschaftlichen Werkes wird der Preis
gemeinsam an die daran beteiligten Wissenschaftler vergeben. Der Ludwig
Wittgenstein-Preis kann sowohl an Personen vergeben werden, die sich
durch ihre wissenschaftliche Arbeit um die Forschung in Österreich
Verdienste erworben haben, als auch an solche, deren wissenschaftliches
Werk für Österreich von außergewöhnlicher
Bedeutung ist. Die hervorragende wissenschaftliche Leistung des in
Aussicht genommenen Preisträgers muß nach internationalen
Maßstäben beurteilt werden. Kandidaten für den Ludwig
Wittgenstein-Preis können nur von Mitgliedern des
Wissenschaftlichen Beirates der Österreichischen
Forschungsgemeinschaft vorgeschlagen werden. Der Wissenschaftliche
Beirat entscheidet – allenfalls nach Heranziehung ausländischer
Gutachter – über die eingebrachten Vorschläge. Die
Entscheidung des Wissenschaftlichen Beirates wird dem Präsidium
der Österreichischen Forschungsgemeinschaft zur endgültigen
Beschlußfassung vorgelegt.
Bisherige
Preisträger: Ernst Gombrich (1988), Viktor F. Weisskopf
(1990),
Oleh Hornykiewicz (1993), Ottokar Uhl (1996), Hermann A. Haus (1997),
Peter L. Berger (2000), Hans Tuppy (2002), Carl E. Schorske (2004)