Resonant Bodies – in Schwingung versetzte Zwischenräume

Körper versetzen die Luft in Bewegung und erzeugen vibrierende, pulsierende Schwingungen. Die Luft ist als Raum zwischen den Körpern das Elixier des Zwischenraums und birgt die Umgebung als Schwingungsbewegung. Diese trifft den menschlichen Körper – seine Augen, Ohren und seine Nase; seine Haut, Membrane und Muskeln. Sinnesorgane und kinästhetische Sinne transformieren diese Schwingungsbewegung im Auftreffen auf unser Denken in fassbare Wahrnehmung. Für „wahr“ nehmen wir bzw. unsere Augen die Bilder, die die Schwingungen der Körper in die Luft zeichnen. Als Schätze der Luft können sie in den Körpersinnen gehoben werden.

Choreographie schreibt sich in den Zwischenraum der Lüfte ein, Choreo – Kreise -graphein - schreiben – Choreographie heißt Kreise schreiben, menschliche Bewegungen die Luft schreiben. Die menschliche Bewegung hinterlässt bedingt durch die Beschaffenheit unserer Gelenke immer eine Kreisspur  in der Luft – Choreographie kreist, dreht, wendet und kippt, fragmentiert, dimensioniert und skaliert Schwingungen.

Die Luft ist das Terrain des Tänzers*, der sich diesen „Ort“ erschließt. Wie der Tänzer Luft holt, sie sich einverleibt, in seine inneren Kreisläufe transformiert und den Körper auflädt, bringt er sie in einem Zurückblasen und Verändert Zurückschwingen wieder in die Luft zurück. Er transformiert seinen Innenraum nach außen und schwingt ihn in Bewegungen nach außen. Die Luft enthält die Welt und der Tänzer schwingt darin. Sein Körper ist ein wahrnehmender, sich in Prozessen befindender und mit vielfachen Membranen an der Grenze zwischen Luft und Körper versehener. (Rose Breuss)

* Männliche Form gilt für alle Geschlechter.

Die Ausführenden: Mitglieder von Cie. Off Verticality
Tamara Kronheim
Juan Dante Murillo Bobadillo
Petr Ochvat
Amandine Petit
Anna Prokopová

Choreographie: Rose Breuss

Musik: Franz Hautzinger

Cie. Off Verticality:
Eine für das Tanzen formgebende Körper- und Raumrichtung ist die Vertikale - die Richtung zwischen Höhe und Tiefe. Sie wird im zeitgenössischen Tanz kritisch beleuchtet, in künstlerischen Facetten erforscht und in choreographischen Welten dynamisiert.

Das Aufgerichtetsein bzw. das sich aus der Vertikale heraus Bewegen des Menschen öffnet den eigentlichen und existenten menschlichen Bewegungsraum.

Als Erscheinungsform ist dieser Bewegungsraum größtenteils aus unserem öffentlichen Raum verbannt. Der Mensch ist aufrecht, andere Körperlagen sind dem Bereich des Privaten oder der Ausnahmesituationen vorbehalten.

Die Wahrnehmung der existenten menschlichen Körperlagen eröffnet den Blick auf vielfältige Seinslagen.

Sie erschließt die menschlichen Tiefen - das auf dem Boden sein des Menschen - Prozesse des Aufrichtens - das ins Lot sich Bewegen - Gegenrichtungen und - am anderen Ende des Poles - das Aufrechtsein - die Beherrschung des Raumes - die menschliche Selbstgestimmtheit, das Selbst als Bewusstsein.

Der klassische Tanz formuliert die Aufrechte als nach oben strebend, der zeitgenössische Tanz als Intaktheit des physisch integrierten menschlichen Ganzen, das entweder nur für Momente spürbar oder unter Anwendung versierter Körpertechniken als Seinserlebnis erreichbar wird.

Die kritische Befragung der Vertikalen ermöglicht somit eine künstlerische Haltung und Vision, die weder die Vertikalität vermeidet, noch sie als einzig formgebende Richtung erhält. Das nach oben strebende räumliche Bedürfnis des Tänzers, der Tänzerin wird nicht in das Reich der Neoklassik verbannt. Vermieden werden aber auch nicht die aus der Vertikalen herausentwickelten Körper- und Bewegungswelten. Diese können als expressiv dynamisierte Schräg-lagen menschliches Sein erschließen.

Cie. Off Verticality C.O.V. stellt sich damit den wesentlichen Fragen der zeitgenössischen Lebenswelt

Cie. Off Verticality versteht sich als tanzpolitische Auseinandersetzung mit der Welt und als künstlerische Initiative gegen eindimensionale Ausrichtungen.



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