Politik, Religion und Markt:
Die Rückkehr der Religion als Anfrage an
den politisch-philosophischen Diskurs der Moderne
 

Fachtagung der ARGE „Politik, Religion, Gewalt“

5.-7. Juni 2008

Ort: Theologische Fakultät der Universität Innsbruck, Karl-Rahner-Platz 1

Anmeldung
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Donnerstag, 5. Juni 2008

19:15-21:30   
José Casanova (Washington/New York)
Eurozentrischer Säkularismus und die Sozialwissenschaften


Freitag, 6. Juni 2008

09:00-10:00
Diskussionseinheit zu José Casanova mit Impulsbeiträgen von:
Sieglinde Rosenberger (Wien)
Wolfgang Palaver (Innsbruck)

10:00-10:30
Pause

10:30-12:30
Walter Reese-Schäfer (Göttingen)
Habermas, Ratzinger und die postsäkulare Gesellschaft

Gerhard Larcher (Graz)
Zur Dialektik von Vernunft und Glaube im öffentlichen Spannungsfeld von Religion und Gesellschaft

12:30-14:00
Mittagessen

14:00-15:30
Harald Stelzer (Graz)
Offene Gesellschaft - Geschlossene Gemeinschaft. Der Kommunitarismus aus der Perspektive von Karl Poppers Kritischem Rationalismus

Kristina Stöckl (Innsbruck)
Freiheit und Tradition in einem "säkulären Zeitalter"

15:30-16:00
Pause

16:00-17:30
Evert van der Zweerde (Nijmegen)
Gemeinschaft nach der Gemeinschaft - Religion und Politik in einer "post-säkularen" Welt

Harald Wydra (Cambridge)
Kontinuitäten und Wandel politischer Religion: vom Kommunismus zum Terror des 21. Jahrhunderts

17:30-19:30
Abendessen

19:30-21:00
Emil Brix(Wien)
Die politische Diskussion um die "Leitkultur" als Kritik an Moderne und Säkularisierung

Diskussion mit Impulsbeiträgen von:
Gerda Riedl (Augsburg)
Kurt Salamun (Graz)


Samstag, 7. Juni 2008

9:00-10:30
Wilhelm Guggenberger (Innsbruck)
Freier Markt statt freie Bürger. Über die Tendenzen einer transzendenzvergessenen Welt zum Wirtschaftsliberalismus

Andreas Exenberger (Innsbruck)
Über Verwurzelung. Aktuelles ökonomisches Denken und Adam Smith

10:30-11:00
Pause

11:00-11:45
Frank Adloff (Berlin)
Wiederverzauberung der Welt oder Wiederkehr des Verdrängten?
Post-positivistische Perspektiven auf Religion

11:45-12:30
Schlussdiskussion


Liberale, die Tradition der Aufklärung fortsetzende soziale und politische Theorien gehen davon aus, dass mit fortschreitender Modernisierung der Gesellschaft eine Privatisierung von Religion einhergeht. Gesellschaftspolitische Entwicklungen der Gegenwart, nicht zuletzt das verstärkte Auftreten religiöser Fundamentalismen, werfen jedoch die Frage auf, ob diese Säkularisierungsthese wirklich stichhaltig ist und ob sie als konzeptuelles Instrumentarium für den Umgang mit Religion in liberalen Gesellschaften ausreicht. Nicht nur die Säkularisierungsthese steht in diesem Zusammenhang zur Diskussion, sondern auch die Art und Weise, wie Religion in den säkularen gesellschaftspolitischen Zusammenhang 'zurückkehrt'. Der Begriff 'Desäkularisierung' legt nahe, dass es sich hier weitgehend um einen Rückfall in den Menschen entmündigende und gewaltfördernde oder zumindest gewaltbereite Formen der  Weltdeutung handelt und blendet dabei aus, dass Religionen und Religiosität unter Bedingungen der Moderne selbst Wandlungen erfahren.

Die politisch-theoretische Frage, der in der Fachtagung vor dem Hintergrund dieses Themenkomplexes nachgegangen werden soll, lautet, wie der zeitgenössische politisch-philosophische Diskurs, insbesondere im Spannungsfeld zwischen liberalen und kommunitaristischen Positionen, auf die Rückkehr der Religion reagiert und welche Ansätze zum gesellschaftspolitischen Umgang mit Religion darin zum Tragen kommen. Den Organisatoren ist es dabei ein besonderes Anliegen, eine konzeptuelle und wissenschaftstheoretisch präzise Verortung von Schlüsselbegriffen und -autoren vorzunehmen. Die politisch-praktische Frage der Fachtagung, wiederum, bezieht sich auf die politischen und sozialen Herausforderungen eines weltanschaulich und religiös pluralen Zusammenlebens in Europa und insbesondere in Österreich. Besonders bedeutsam für die Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Gesellschaftsmodellen erscheint den Organisatoren das Feld der Ökonomie, deren Anteil an der konkreten Ausformung der derzeit bestehenden Weltordnung wohl unbestritten ist.

Somit bewegen wir uns im gesellschaftlichen Spannungsfeld zwischen Politik, Religion und Markt. Dabei geht es darum, Konflikt generierende Faktoren in diesem Spannungsfeld zu identifizieren, den Umgang relevanter sozialphilosophischer, ökonomietheoretischer  und theologischer Entwürfe mit diesen Konfliktpotentialen zu analysieren und soweit möglich die gewaltmindernden Impulse der jeweiligen Ansätze miteinander in ein konstruktives Gespräch zu bringen.

Die Fachtagung "Politik, Religion und Markt: Die Rückkehr der Religion als Anfrage an den politisch-philosophischen Diskurs der Moderne", getragen von der Arbeitsgemeinschaft Politik – Religion – Gewalt der Österreichischen Forschungsgemeinschaft und der Forschungsplattform Weltordnung – Religion – Gewalt, ist die erste einer geplanten Reihe von Veranstaltungen, die sich der interdisziplinären Diskussion und kritischen Befragung verschiedener Rahmentheorien zum Verhältnis von Politik, Religion und Gewalt widmen.

Weitere Tagungen sind:
Koordination
Univ.-Prof. Dr. Kurt Salamun (Universität Graz)
Ao. Univ.-Prof. Dr. Jürgen Nautz (Universität Wien)
Univ.-Prof. Dr. Walter Schweidler (Bochum)
Ao. Univ.-Prof. Wilhelm Guggenberger (Universität Innsbruck)
Dr. Kristina Stöckl (Universität Innsbruck)

Organisation in Innsbruck
Wilhelm Guggenberger, Mathias Moosbrugger, Dietmar Regensburger, Kristina Stöckl
website: http://www.uibk.ac.at/plattform-wrg/projekte/arge/index.html