Staub
Symposium der
Arbeitsgemeinschaft „Wissenschaft und Kunst“
der Österreichischen Forschungsgemeinschaft
20. - 21. Mai
2011
Institut für
Architekturtheorie, Kunst und Kulturwissenschaften
TU
Graz, Hörsaal 2, Rechbauerstraße 12, 8010 Graz
Anmeldung

Staub ist allgegenwärtig und
sein Aufkommen nimmt stetig zu – wie auch die Strategien zur
Staubvermeidung. Sein sehr kleines Gewicht erleichtert seine keinen
Fleck auslassende Verteilung; denn Teilchen werden zu Staub, wenn sie
nur wenig schwerer sind als Luft. Staub reiht sich somit in seiner
Zustandsform und Materialität unter die „letzten Dinge“ ein: Unter
dem Kriterium des Gewichts kann alles – von Gold über Blüten
bis Asbest – zu Staub werden. Zudem bezeichnet der Staub ein zentrales
Element der Vermischung und der Zirkulation, wie uns unser Hausstaub
alltäglich vorführt, der aus allen möglichen Quellen
stammen kann. Seine Sammlung gibt daher generell auch Aufschluss
über die gegenwärtige Umwelt. Die Vielzahl seiner
unterschiedlichen Bestandteile sowie deren notorische Verteilung macht
Staub zu einem Material, das zahlreiche künstlerische und
wissenschaftliche Fragestellungen bündelt. Die Erforschung des
Staubs ist keineswegs nur die Angelegenheit einer einzelnen Disziplin.
Vielmehr begründet Staub bereits an und für sich einen
interdisziplinären Zugang, dessen spezifische Untersuchungen sich
über viele Fachbereiche erstrecken. Staub als Thematik einer
interdisziplinären Tagung aufzugreifen, ermöglicht es
insofern, wissenschaftliche Staubforschung und künstlerische
Projekte miteinander in Beziehung zu setzen, die vom gleichen
Gegenstand ausgehen.
Staub als Material: Staub kann
einen Restbestandteil von Prozessen der Auflösung
größerer Formen bilden, im übertragenen Sinne einen
sinnentleerten Rest, doch was lässt sich umgekehrt mit Staub
selbst produzieren? Wie wird die Materialität des Staubs zum
kreativen Element? Welche Möglichkeiten eröffnet Staub als
Material der Kunst? Besteht das Kennzeichen von Staub in seiner
Fähigkeit zur Aneignung von nahezu allem – mit seinen organischen
wie anorganischen Bestandteilen – und zur Integration in sein
System der Zirkulation? Oder geht es im Gegenteil eher um die Erzeugung
von absolut staubfreien Reinräumen und Produktionsbedingungen?
Ordnungen des Staubs:
Unterschiedliche Ordnungen des Staubs lassen sich in seinen
dissipativen Strukturen erkennen, die sich in immer neuen
Systemkonfigurationen bilden. Die Entropie des schwebenden Staubs kennt
insofern keine Grenze, nur permanente Verteilung. Welche
Ordnungsschemata lassen sich dennoch an die kleinen Teilchen anlegen?
Welche Modelle einer chaotischen, aleatorischen, stochastischen
Verteilung generiert Staub? Wie verändern sich die
Klassifikationen von Staub als Ordnungssysteme?
Erkenntnisse des Staubs:
Unlängst ist die japanische Raumsonde „Hayabusa“ nach ihrer
siebenjährigen Reise durchs All beim Wiedereintritt in die
Erdumlaufbahn planmäßig verglüht, doch ihr wichtigstes
Element – eine kleine Probenkapsel für Asteroidenstaub – landete
unversehrt auf der Erde. Eine so kostspielige Expedition zur Sammlung
von Staub wirft die Frage nach der Erzeugung und Emergenz von Wissen
auf, das sich am und im Staub bildet: Was gibt der Staub zu denken?
Staub ist nicht nur Zeichen von etwas, dessen Emission oder
Zusammensetzung er bezeugt, sondern auch die Grundlage von
Inskriptionen, die Spuren im Staub sichtbar machen. Einerseits
schreiben sich also Vorgänge in Staub ein, andererseits wird der
Staub in Staublaboren selbst zum Untersuchungsgegenstand. Das Panel
fragt nach den unterschiedlichen Erkenntnisformen am konkreten
Gegenstand Staub.
Idee
und Konzept: Daniel Gethmann, Anselm Wagner, Graz
PROGRAMM
Freitag, 20. Mai
14.15 Begrüßung und Eröffnung
Hans SÜNKEL, Otto NEUMAIER
Einführung
Daniel GETHMANN
STAUB ALS MATERIAL
Wenn der Staub schwebt
Wladyslaw SZYMANSKI, Wien
Re-Kompositionen. Künstler als Staubfänger
Monika WAGNER, Hamburg
Diskussion
Kaffeepause
17.15
Historie versus Hygiene. Staub in der Architekturtheorie
Anselm WAGNER, Graz
Diskussion
Algorhythmische Komposition / Staub in der elektronischen Musik
Gerhard NIERHAUS / Andrés GUTIÉRREZ
MARTÍNEZ, Graz*
Imbiss
20.30
Staub – ein Film von Hartmut BITOMSKY (Filmzentrum im Rechbauerkino)**
Samstag, 21. Mai
10.00
ORDNUNGEN DES STAUBS
Schwebende Auswahl (Performance / Lecture)
Bettina VISMANN, Berlin
Der Staub der Vergangenheit
Thomas MACHO, Berlin
Diskussion
Kaffeepause
12.15
Feinstaub: Statistische Modellierung und Prognose
Ernst STADLOBER, Graz
Der Feind Staub. Restaurierung und Sauberkeit
Julia FELDTKELLER, Tübingen
Diskussion
Mittagspause
15.00
ERKENNTNISSE DES STAUBS
Life in the Dust: Historic Samples and Modern Microbial Hitchhikers
Anna GORBUSHINA, Berlin
Kometenstaub als Informationsträger aus dem Sonnensystem: Das
Staubmikroskop MIDAS auf Mission zum Kometen Churyumov-Gerasimenko
Klaus TORKAR, Graz
Diskussion
Kaffeepause
17.15
Staub als Spur
Roland MEYER, Berlin
Im Staubstaubereich – ein musikalischer Kehraus
Bertl MÜTTER, Steyr
Diskussion
19.00 Abschluss der Veranstaltung
* Kooperation mit dem Institut für Elektronische Musik und Akustik
an der Kunstuniversität Graz
** Reservierung unter oefg(at)oefg.at
erforderlich (begrenztes
Kartenkontingent, Karten zu
6.-)
Die Mitwirkenden
Dr. Julia FELDTKELLER, Restauratorin, Tübingen
Dr. Daniel GETHMANN, Institut für Architekturtheorie, Kunst- und
Kulturwissenschaften, Technische Universität Graz
Prof. Dr. Anna GORBUSHINA, Institut für Geologische
Wissenschaften, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Thomas MACHO, Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt
Universität Berlin
Roland MEYER M.A. Institut f. Geschichte u. Theorie d. Gestaltung,
Universität der Künste Berlin
Bertl MÜTTER, Musiker und Komponist, Steyr
Prof. Dr. Otto NEUMAIER, FB Philosophie, Kultur- u.
Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität
Salzburg (Leiter der „ARGE Wissenschaft und Kunst“)
Dr. Gerhard NIERHAUS / Andrés GUTIÉRREZ MARTÍNEZ,
Institut für Elektronische Musik und Akustik,
Kunstuniversität Graz
Prof. Dr. Ernst STADLOBER, Institut für Statistik, Technische
Universität Graz
Prof. Dr. Hans SÜNKEL, Rektor der Technischen Universität Graz
Prof. Dr. Wladyslaw W. SZYMANSKI, Fakultät für Physik,
Universität Wien
Prof. Dr. Klaus TORKAR, Institut für Weltraumforschung,
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dipl.Ing. Bettina VISMANN, Architektin, Berlin
Prof. Dr. Anselm WAGNER, Institut für Architekturtheorie,
Kunst- und Kulturwissenschaften, Technische Universität Graz
Prof. Dr. Monika WAGNER, Kunstgeschichtliches Seminar, Universität
Hamburg
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