Das Präsidium der Österreichischen Forschungsgemeinschaft
lädt zur Verleihung des

Ludwig Wittgenstein-Preises 2008
der Österreichischen Forschungsgemeinschaft

an

Professor Dr. Ernst Steinkellner

am Samstag, dem 11. Oktober 2008, um 11.00 Uhr s.t.
im Festsaal der Akademie der Wissenschaften Wien,
Dr. Ignaz Seipel Platz 2


 


Begrüßung


Heinrich NEISSER, Präsident der Österreichischen Forschungsgemeinschaft
Gottfried MAGERL, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates

Laudatio

Susanne WEIGELIN-SCHWIEDRZIK

Überreichung des Preises

Festvortrag

Ernst STEINKELLNER

Erkenntnistheorie im Buddhismus:
Zur Erkenntnis des Denkens von Anderen


Musik

Kompositionen von Gösta Neuwirth
aus Anlass der Preisverleihung
Ausführende: Klangforum Wien

Im Anschluß bittet die Österreichische Forschungsgemeinschaft zu einem Glas Wein


ERNST STEINKELLNER wurde 1937 in Graz geboren, wo er nach der Matura zunächst Germanistik und Anglistik studierte, bevor er 1957 Fach und Universität wechselte und 1963 in Wien bei Erich Frauwallner in Indologie promovierte und sich 1967 habilitierte. 1971 wurde er als visiting lecturer an die University of Pennsylvania gebeten und erhielt 1972 an dieser Universität eine Stelle als Associate Professor of Indian Philosophy. 1973 wurde er an die Universität Wien berufen und gründete das Institut für Tibetologie und Buddhismuskunde, dem er bis 2000 vorstand und auch nach der Zusammenlegung zum Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhinsmuskunde bis zu seiner Emeritierung 2006 angehörte. Er war Gastprofessor an den Universitäten Kyoto 1982 und Oxford 1992. 1977 gründete er die Monographienreihe Wiener Studien zur Tibetologie und Buddhismuskunde, die heute bereits 70 Bände umfasst. 1978 wurde er korrespondierendes, 1988 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und leitete 1998-2006 das Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Akademie. 12 Jahre wirkte er als Editor des Journal of the International Association of Buddhist Studies, 2003-2006 war er auch Vizepräsident der Gesellschaft. Nach seiner Dissertation über ein Thema aus der Tradition brahmanischer indischer Logik wandte er sich den buddhistischen philosophischen Traditionen zu, seit Mitte der sechziger Jahre steht die Tradition buddhistischer Erkenntnistheorie und Logik im Mittelpunkt seiner Forschungen. Darüber hinaus veröffentlichte er Studien und Texte zum Thema der Wiederverkörperung, zur frühen Geschichte der tibetischen Interpretationen des buddhistischen Erbes, zur frühen buddhistischen Lehre vom Nicht-Ich, zur Entstehung der tibetischen kanonischen Literatur und zu frühen tibetischen religiösen Inschriften. 1991 leitete er eine österr.-ital. Expedition zum 1000 Jahre alten Kloster von Tabo im indischen Himalaya und initiierte die Erschließung seiner tibetischen Handschriftenschätze. Seit 1993 leitet und organisiert er die Zusammenarbeit österreichischer Tibetologen und Sozialanthropologen mit der Tibetischen Akademie für Sozialwissenschaften, Lhasa, und seit 2003 die Zusammenarbeit österreichischer Wissenschaftler mit dem Chinesischen Tibetforschungszentrum in Beijing. Durch einen Generalvertrag zwischen der ÖAW und dem nationalen Tibetforschungsinstitut in Beijing konnte Ernst Steinkellner erstmals einen Zugang zu den ca. 4000 Sanskrit-Handschriften in Tibet ermöglichen, deren Erschließung eine neue Ära in der Erforschung des indischen Buddhismus bedeuten. Schüler Ernst Steinkellners lehren heute u.a. in Cambridge, Tokyo, Tsukaba und Wisconsin.


Mit dem LUDWIG WITTGENSTEIN-PREIS
DER ÖSTERREICHISCHEN FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT
soll aus gegebenem Anlaß, jedoch höchstens einmal im Jahr, entweder die hervorragende Leistung einer Persönlichkeit oder ein hervorragendes Werk auf wissenschaftlichem Gebiet ausgezeichnet werden. Der Preis kann einem Wissenschaftler sowohl für eine außergewöhnliche einzelne Leistung als auch für mehrere, ein Gesamtwerk bildende Arbeiten verliehen werden. Der Ludwig Wittgenstein-Preis soll grundsätzlich nicht geteilt werden. Nur im Falle der Auszeichnung eines wissenschaftlichen Werkes wird der Preis gemeinsam an die daran beteiligten Wissenschaftler vergeben. Der Ludwig Wittgenstein-Preis kann sowohl an Personen vergeben werden, die sich durch ihre wissenschaftliche Arbeit um die Forschung in Österreich Verdienste erworben haben, als auch an solche, deren wissenschaftliches Werk für Österreich von außergewöhnlicher Bedeutung ist. Die hervorragende wissenschaftliche Leistung des in Aussicht genommenen Preisträgers muß nach internationalen Maßstäben beurteilt werden. Kandidaten für den Ludwig Wittgenstein-Preis können nur von Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirates der Österreichischen Forschungsgemeinschaft vorgeschlagen werden. Der Wissenschaftliche Beirat entscheidet – allenfalls nach Heranziehung ausländischer Gutachter – über die eingebrachten Vorschläge. Die Entscheidung des Wissenschaftlichen Beirates wird dem Präsidium der Österreichischen Forschungsgemeinschaft zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt.

Bisherige Preisträger: Ernst Gombrich (1988), Viktor F. Weisskopf (1990),
Oleh Hornykiewicz (1993), Ottokar Uhl (1996), Hermann A. Haus (1997), Peter L. Berger (2000), Hans Tuppy (2002), Carl E. Schorske (2004), Helmut Rauch (2006)

Ludwig Wittgenstein Preis der ÖFG