Symposium der ARGE „Wissenschaft
und Kunst“ der Österreichischen Forschungsgemeinschaft
Freitag, 4. November
09.15 Begrüßung Eva BLIMLINGER (Wien)
Einleitung Otto NEUMAIER (Salzburg)
KÜNSTLERISCHE UND WISSENSCHAFTLICHE PRAXIS
09.30
Was ist und zu welche Ende
betreibt man künstlerische Forschung?
Jens BADURA (Lausanne/Zürich)
10.00 Diskussion
10.30
Künstlerische
Erforschung der Natur und ihre Anwendung in der Architektur
Barbara IMHOF (Wien)
11.00 Diskussion
11.30 Kaffeepause
12.00
Zum Zusammenspiel von
Kunst, Theorie und Wirtschaft
Heike-Karin FÖLL (Berlin)
12.30 Diskussion
13.00–14.00 Mittagspause
STANDARDS KÜNSTLERISCHER FORSCHUNG
14.00
Gibt es eine Methodologie
künstlerischer Forschung?
Anke HAARMANN (Lüneburg)
14.30 Diskussion
15.00
Peer Reviewing für
Zeitschriften künstlerischer Forschung
Michael SCHWAB (London)
15.30 Diskussion
16.00 Kaffeepause
16.30
Act like you mean it (Lecture
Performance)
Thomas GRUNWALD, Anton REY (Zürich), Yohanna SCHWERTFEGER,
Fabian KRÜGER (Wien)
17.30 Diskussion
18.00 Kaffeepause
18.30
Künstlerische
Forschung im europäischen Kontext
Julie HARBOE (Luzern)
19.00 Diskussion
Samstag,
5. November
VERWISSENSCHAFTLICHUNG
KÜNSTLERISCHER STUDIEN
09.30 Für offene
Zukünftigkeit: Das unmögliche
Curriculum künstlerischer Forschung
Renate LORENZ (Wien)
10.00 Diskussion
10.30 Erfahrungen mit dem
künstlerischen Doktoratsstudium
Ulf BÄSTLEIN (Graz)
11.00 Diskussion
11.30 Kaffeepause
12.00 Der „kleine Unterschied“.
Ist er mehr als ein Narzissmus?
Rainer METZGER (Karlsruhe)
12.30 Diskussion
Die Mitwirkenden
Dr. habil. Jens BADURA, École Polytechnique
fédérale de Lausanne, Projet de recherche
artistique „jonXion“,
Prof. Ulf BÄSTLEIN, Doktoratsschule f.d. künstlerische
Doktoratsstudium, Kunstuniversität Graz
Mag. Eva BLIMLINGER, Rektorin der Akademie der bildenden
Künste Wien
Dr. Heike-Karin FÖLL, Institut für Kunst im Kontext,
Universität der Künste Berlin
Prof. Thomas GRUNWALD, Abteilung Neurophysiologie,
Schweizerisches Epilepsiezentrum
Dr. Anke HAARMANN, Institut für Kulturtheorie, -forschung
und Künste, Universität Lüneburg
Mag. Julie HARBOE, Abteilung Forschung, Kunsthochschule Luzern
Dr. Barbara IMHOF, LIQUIFER Systems Group, Wien
Fabian KRÜGER, Burgschauspieler
Prof. Renate LORENZ, Institut für Bildende Kunst, Akademie
der Bildenden Künste Wien
Prof. Rainer METZGER, Kunsthistorisches Seminar, Staatliche
Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe
Prof. Otto NEUMAIER, Fachbereich Philosophie an der Kultur- und
Gesellschaftswiss. Fakultät, Universität Salzburg
Prof. Anton REY, Department Darstellende Künste und Film,
Züricher Hochschule der Künste
Dr. Michael SCHWAB, Royal College of Art, London
Yohanna SCHWERTFEGER, Burgschauspielerin
Motivation
Das Verhältnis zwischen Wissenschaften und Künsten
oszilliert seit jeher: Zweitweise werden die beiden Bereiche
streng voneinander getrennt, dann wieder nähern sie sich
aneinander an; mitunter (etwa bei Platon) werden als
Wissenschaften Künste genannt, dann wieder (wie im
Mittelalter) als „artes liberales“ die Wissenschaften. Im
Verlauf der Neuzeit schien sich das Verständnis von
Wissenschaften und Künsten so zu differenzieren, dass uns
diese im Wesentlichen sinnlich erfreuen, während uns (nur)
jene Erkenntnisse vermitteln. Dagegen scheinen die Grenzen in
letzter Zeit wieder zu zerfließen, indem einerseits eine
„Ästhetisierung“ der Wissenschaften festgestellt wird,
andererseits aber eine Verwissenschaftlichung der Künste,
die immer wieder mit dem Begriff der künstlerischen
Forschung gleichgesetzt wird.
Indes stellt sich die Frage, ob die Betonung der
Möglichkeit von Forschung in der Kunst mit deren
Verwissenschaftlichung gleichzusetzen ist; die Wörter
„Wissenschaft“ und „Forschung“ sind ja nicht bedeutungsgleich.
Wenn – seitens der Wissenschaften wie auch von Kunstschaffenden
– in Frage gestellt wird, ob Künstler forschen können,
wird also ein wissenschaftliches Verständnis von Forschung
vorausgesetzt, und es wird zur Diskussion gestellt, ob Kunst dem
entsprechen kann bzw. sollte. Der Verzicht auf diese
Voraussetzung wirft andererseits die Frage auf, inwiefern in
beiderlei Hinsicht von Forschung die Rede sein kann, ob
wissenschaftlichen und künstlerischen Ansätzen
bestimmte Formen der Recherche gemeinsam sind oder ob der
Ausdruck „Forschung“ jeweils etwas ganz anderes bedeutet.
Führen ähnliche Verfahren in Wissenschaften und
Künsten zu jeweils anderen Ergebnissen und woran liegt dies
gegebenenfalls? Oder gelangen im Bereich künstlerischer
Forschung gänzlich andere Verfahren zum Einsatz, bedarf es
also einer anderen Forschungsmethodologie als in den an
Objektivität und intersubjektiver Nachvollziehbarkeit
orientierten Wissenschaften? Welche Regeln liegen den sozialen
Systemen Wissenschaft und Kunst jeweils zugrunde (und welche
Entwicklungen sind diesbezüglich zu beobachten)? Derlei
Fragen, die u.a. auch so verstanden werden können, welche
Wissenschaft die Kunst braucht bzw. in welcher Form
wissenschaftliche Momente in den Künsten aufscheinen,
sollen mit Blick auf drei Bereiche behandelt werden:
KÜNSTLERISCHE UND
WISSENSCHAFTLICHE PRAXIS: Was ist bei der
künstlerischen Forschung mit „Forschung“ gemeint und
inwiefern ist dabei von Wissensproduktion zu sprechen? Wie
werden wissenschaftliche Methoden in die Künste
implementiert? Inwiefern entsteht durch künstlerische
Forschung etwas Neues, das auch für die Wissenschaften
interessant ist, zugleich aber eine davon unabhängige
Erkenntnis stiftende Funktion hat? Wo finden interessante
Kooperationen zwischen Ansätzen in Kunst und Wissenschaft
sowie Wirtschaft statt? Welchen Mehrwert hat die Kooperation
zwischen wissenschaftlichen und künstlerischen
Ansätzen (und was ist zu tun, um diesen Mehrwert
systematisch zu erlangen)?
STANDARDS KÜNSTLERISCHER
FORSCHUNG: Werden die institutionellen Anforderungen
und Rahmenbedingungen den Projekten im Rahmen von „art-based
research“ gerecht? Welchen Status hat das „peer reviewing“ in
Wissenschaft und Kunst bzw. welche Art von Bewertung ist
für künstlerische und wissenschaftliche Forschung
(zumal für deren Ergebnisse) angemessen? Wie beeinflussen
wissenschaftlich-künstlerische Kooperationen die
Entwicklung der „artistic“ und “scientific communities"? Wie
sind die österreichischen Erfahrungen im Vergleich zu
internationalen „best practices“? Welche Relevanz hat PEEK im
europäischen Kontext?
VERWISSENSCHAFTLICHUNG
KÜNSTLERISCHER STUDIEN: Ist das künstlerische
Doktorat paradigmatisch für künstlerische Forschung?
Gleichen sich wissenschaftliche und künstlerische
Produktionen durch ähnlich strukturierte Studienpläne
einander an? Sind auch Möglichkeiten der Ausbildung zu
künstlerischer Forschung denkbar, die sich nicht am
klassischen Universitätscurriculum orientieren? Wie wirkt
sich die akademische Institutionalisierung auf die
künstlerische Produktion aus? Inwiefern fördert eine
akademische Ausbildung an Kunsthochschulen und
‑universitäten die "Entwicklung und Erschließung der
Künste"?