Workshop

Steuern, Zivilgesellschaft und Staat

28. – 29. Oktober 2004
Veranstaltungssaal der Investkredit Bank AG,
Renngasse 10, 1010 Wien

Pro Referat sind jeweils 30 Min. für den Vortrag
und 30 Min. für die Diskussion vorgesehen

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Donnerstag, 28. Oktober

10.00   Begrüßung / Eröffnung / Einführung in das Thema           
Wilfried Stadler, Investkredit, Emil Brix, Jürgen Nautz, ÖFG

Tax Preferences for Non-Governmental Organizations. An International Survey'
Karla W. Simon, Washington

11.30-12.00   Kaffeepause

Effizienz der Steuerpolitik im demokratischen Wettbewerb
Berthold Wigger, Erlangen-Nürnberg

13.00-14.00   Mittagspause

Steuerverweigerung in Preußen 1806-1866. Das Ringen um Mitbestimmung, Recht, Gerechtigkeit und den eigenen Vorteil
ReinholdSchulze-Tammena, London

Die Steuer- und Budgetpolitik der Großen Koalition: Eine Geschichte des Scheiterns
Felix Butschek, Wien

16.00-17.00   Kaffeepause

Die aktuelle österreichische Steuerreform und Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft
Gerhard Lehner, Wien

 

Freitag, 29. Oktober

9.30
Partnership in Welfare Policy in Eastern Europe
Zsuza Széman, Budapest

Steuerpolitik in Ungarn und die Arbeit der NGOs (1% Widmung der Einkommensteuer für NGOs)
Inemesit Etentuk  & Judit Zotter, Budapest

11.30-12.00   Kaffeepause

Steuerpolitik als Hindernis für die Zivilgesellschaft: Das Privatstiftungsgesetz 1993
Robert Harrauer, Wien

13.00-14.00   Mittagspause

Privatsteuertendenzen im zivilgesellschaftlichen Kernbereich Verein, dargestellt am Beispiel eines österreichischen Sport-Dachverbandes
Andreas Thomasser, Graz

Spenden und Steuerpolitik – Die Rolle von Spenden zur Förderung der Zivilgesellschaft und staatliche Anreizsysteme im internationalen Vergleich. Eine Analyse aus NPO-Sicht
Dieter Hernegger, Wien

Ca. 16.00   Abschluß der Tagung

 

Die Mitwirkenden:

Emil Brix, Diplomat, Generalsekretär der Österreichischen Forschungsgemeinschaft und Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Civil Society in Österreich“, Wien

Felix Butschek, Universitätsdozent für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Wien, lange Jahre Mitglied des Leitungsgremiums des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), Wien

Inemesit Etentuk, Dokotorandin am Institut für Politikwissenschaft, ELTE Universität Budapest

Robert Harrauer, Direktor des Instituts MEDIACULT - International Research, Wien

Dieter Hernegger, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Österreichischer Gemeinnütziger Vereine (IÖGV), Wien

Gerhard Lehner, Honorarprofessor für Budget- und Steuerpolitik an der Universität Wien, Mitglied der österreichischen Steuerreformkommission, Wien

Jürgen Nautz, Dozent für Wirtschaftsgeschichte, Institut für Wirtschaftswissenschaften, Universität Wien, Lehrbeauftragter am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Universität Kassel

Reinhold Schulze-Tammena, Wissenschaflicher Mitarbeiter des Goethe-Instituts in London

Karla W. Simon, Professor of Law, Columbus School of Law; The Catholic University of America, Washington, D.C.

Wilfried Stadler, Generaldirektor der Investkredit Bank AG; Herausgeber der Wochenzeitung "Die Furche", Wien

Zsuza Széman, Leiterin des Welfare Mix Team, Institut für Soziologie, Ungarische Akademie der Wissenschaften, Budapest

Andreas Thomasser, Lektor für Wirtschaftsrecht und Justiziar, Fachhochschule Joanneum, Graz

Berthold Wigger, Professor für Finanzwissenchaft, Universität Erlangen-Nürnberg

Judit Zotter, Dokotorandin am Institut für Politikwissenschaft, ELTE Universität Budapest

 

Der moderne Staat, wie wir ihn kennen, ist ein Steuer- und Abgabenstaat, der tief in gesellschaftche Prozesse eingreift. Ohne Steueraufkommen können Staatsaufgaben nicht sichergestellt werden. Darüber hinaus sind Steuern und Abgaben auch Instrumente der Politik: globale Konjunktursteuerung im Bereich der Wirtschaftspolitik, aber auch Eingriffe in die gesellschaftlichen und individuellen Lebensentwürfe und Verhaltensweisen etwa über Steuerfreibeträge für Familien mit Kindern, Abgaben auf Energieverbrauch etc. Dabei wirken in verschiedenen Gesellschaften und Staaten unterschiedliche „Steuerphilosophien“ und auch unterschiedliche wirtschaftliche, sozialphilosophische und politische Traditionen. Betrachten wir Österreich, Deutschland oder Frankreich, so sind dort Traditionen präsent, die den Staat als „alteuropäischen Hausvater“ ansehen, der mittels Einnahmepolitik und der Verwendung deren Ergebnissen seiner hausväterlichen Fürsorgepflicht nachkommt. Stark präsent ist diese Position in der katholischen Soziallehre.

Die Rede von der Krise des Steuerstaates ist nicht neu. Die zunehmende Ineffizienz staatlicher Politik sowie die drückenden Folgen der Schuldenpolitik der zurückliegenden Jahrzehnte haben die Suche nach alternativen Formen der Organisation menschlichen Zusammenlebens und der Solidarität erneut provoziert. Die Zivil- oder Bürgergesellschaft wurde (wieder-)entdeckt, als Ort, wo ein Neuaufbau gesellschaftlichen Zusammenlebens versucht werden kann. Dies kann aber nur gelingen, wenn Bürgerinnen und Bürger ein Mindestmaß an Verfügungsrechten über ihr Eigentum und ihre Einnahmen behalten. Eine Steuerpolitik, die zivilgesellschaftliche Lösungen und individuelles Engagement unterstützen soll, muß dies berücksichtigen. Dies kann zum einen geschehen über eine mäßige Besteuerung der Einkommen, die es den Bürgerinnen und Bürgern erlaubt, einen Teil ihres Einkommens in zivilgesellschaftlichen Projekten einzusetzen. Weiterhin kann das Steuersystem zivilgesellschaftliche Organisationen direkt begünstigen durch Steuervorteile, und es kann finanzielles Engagement der Steuerzahler mit der Reduzierung der Steuerschuld belohnen. Einen dritten Weg gehen einige Staaten des ehemaligen Ostblocks, die es den Steuerbürgern erlauben, einen Teil ihrer Steuerschuld zivilgesellschaftlichen Organisationen zu widmen.

Tagungsbüro: Österreichische Forschungsgemeinschaft, Berggasse 25,
A-1092 Wien, Tel.: 319-57-70, Fax: 319-57-70-20, oefg@oefg.at