Walter Mischel wurde
1930 in Wien geboren, musste mit seiner Familie 1938
fliehen und wuchs in Brooklyn, New York, auf. Er
studierte bei George Kelly und Julian Rotter an der Ohio
State University und schloss sein Studium 1956 mit dem
PhD in Klinischer Psychologie ab. Von 1956-1958 lehrte
er an der University of Colorado, 1958-1962 an der
Harvard University, 1962-1983 in Stanford und seit 1983
am Department of Psychology, Columbia University – seit
1994 als Robert Johnston Niven Professor of Humane
Letters in Psychology. Mischel kritisierte die geringe
Vorhersagekraft des Trait-Ansatzes der
Persönlichkeitspsychologie und forderte eine
stärkere Berücksichtigung situativer
Parameter. Berühmt sind seine in den 1960er Jahren
durchgeführten Studien („Marshmallow-Experimente“)
an vierjährigen Kindern über
Belohnungsaufschub (Delay of Gratification), der
Fähigkeit, kurzfristigen Verlockungen zugunsten
langfristiger Ziele zu widerstehen. In
Längsschnittstudien konnte er zeigen, dass die
Fähigkeit zum Belohnungsaufschub im Kindesalter mit
Stressresistenz und höherer sozialer Kompetenz
sowie einer Reihe weiterer protektiver Faktoren im
jungen Erwachsenenalter einhergeht. Basierend auf seinen
empirischen Arbeiten entwickelte Walter Mischel ein
kognitives Persönlichkeitsmodell, das große
Bedeutung in der internationalen psychologischen
Forschung erlangte. Aktuelle Studien beschäftigen
sich mit genetischen Grundlagen des Belohnungsaufschubs.
Walter Mischel wurde 1991 zum Mitglied der American
Academy of Arts and Sciences, 2004 zum Mitglied der
National Academy of Sciences und 2007 zum
Präsidenten der Association for Psychological
Science (2008-2009) gewählt. Weitere Ehrungen u.a.:
Distinguished Scientist Award, American Psychological
Association, Division of Clinical Psychology (1978);
Distinguished Scientific Contribution Award from the
American Psychological Association (1982); Merit Award,
National Institute of Mental Health (1989 up to 2009,
awarded twice, sequentially); Distinguished Scientist
Award of the Society of Experimental Social
Psychologists (2000); Distinguished Contributions to
Personality Award of the Society of Social and
Personality Psychologists (2005). 2000-2003 war er
Herausgeber der Psychological Review. 2011 erhielt er
den Grawemeyer Award in Psychology.