HELMUT RAUCH wurde 1939
in
Krems an der Donau geboren. Dem Abschluss des
Bundesrealgymnasiums
folgte das Studium der Technischen Physik an der TU
Wien, wo er 1965
als einer der ersten am Atominstitut der
Österreichischen
Universitäten dissertierte und sich 1970 für
das Fachgebiet
„Neutronen- und Reaktorphysik“ an der TU Wien
habilitierte. Unter
seinen Lehrern waren es besonders G. Ortner und F.
Regler, die ihn
prägten. 1972 erfolgte die Berufung zum
ordentlichen
Universitätsprofessor für Experimentelle
Kernphysik an der TU
Wien sowie die Übernahme der Leitung des
Atominstituts, die er bis
2005 innehatte. Dem Institut für Experimentelle
Kernphysik der TU
Wien stand er von 1972-1979, dem Institut für
Kernphysik,
abwechselnd mit E. Eder, von 1980-1996 vor. Im Jahr 1974
gelang es
Rauch gemeinsam mit seinen Kollegen Treimer und Bonse
erstmals, die
Wellennatur von monochromatischen Neutronen, also von
Strahlen massiver
Partikel, durch Interferenz zu beobachten. Noch
verblüffender
waren Experimente zur Selbstinterferenz einzelner
Neutronen, die in
einer makroskopischen Versuchsanordnung den Nachweis der
Nichtlokalität und Nichtseparabilität des
Quantengeschehens
erbrachten. Weitere Aufsehen erregende Versuche betrafen
die
4π-Symmetrie von Spin-1/2-Teilchen und die
Spin-Superposition im
makroskopischen Experiment. 1979-1980 erfolgte ein
einjähriger
Gastaufenthalt an der Kernforschungsanlage Jülich.
Im Zuge eines
Forschungsaufenthaltes am Hochflussreaktor des Institut
Laue-Langevin
in Grenoble gelang 1983 durch Experimente zum
Energieaustausch zwischen
Neutronen und Magnetfeldern der Nachweis, dass eine
quantenphysikalische Messung die Phasenbeziehung von
Materiewellen
nicht (zer)stört. Weitere von Helmut Rauch in
Grenoble
durchgeführte Versuche legten die Deutung nahe,
dass dasselbe
Neutron zu jedem Zeitpunkt als Welle UND als Teilchen
existiert.
1985-1990 übernahm Helmut Rauch die Funktion des
Vizepräsidenten, 1991-1994 des Präsidenten des
FWF. Von
seinen zahlreichen weiteren Funktionen seien
erwähnt: Mitglied des
Wissenschaftlichen Rats der Europäischen
Spallationsquellen
(1992-2003), des Executive Council der European Science
Foundation
(1996-1999), des Executive Council der European Neuron
Association
(seit 1999). Helmut Rauch ist u.a. Mitglied der
Österreichischen
Akademie der Wissenschaften, der Academia Europaea und
der Deutschen
Akademie der Naturforscher „Leopoldina“ Halle.
Wien, 2006