ERNST STEINKELLNER wurde
1937
in Graz geboren, wo er nach der Matura zunächst
Germanistik und
Anglistik studierte, bevor er 1957 Fach und
Universität wechselte
und 1963 in Wien bei Erich Frauwallner in Indologie
promovierte und
sich 1967 habilitierte. 1971 wurde er als visiting
lecturer an die
University of Pennsylvania gebeten und erhielt 1972 an
dieser
Universität eine Stelle als Associate Professor of
Indian
Philosophy. 1973 wurde er an die Universität Wien
berufen und
gründete das Institut für Tibetologie und
Buddhismuskunde,
dem er bis 2000 vorstand und auch nach der
Zusammenlegung zum Institut
für Südasien-, Tibet- und Buddhinsmuskunde bis
zu seiner
Emeritierung 2006 angehörte. Er war Gastprofessor
an den
Universitäten Kyoto 1982 und Oxford 1992. 1977
gründete er
die Monographienreihe Wiener Studien zur Tibetologie und
Buddhismuskunde, die heute bereits 70 Bände
umfasst. 1978 wurde er
korrespondierendes, 1988 wirkliches Mitglied der
Österreichischen
Akademie der Wissenschaften und leitete 1998-2006 das
Institut für
Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Akademie. 12
Jahre wirkte er
als Editor des Journal of the International Association
of Buddhist
Studies, 2003-2006 war er auch Vizepräsident der
Gesellschaft.
Nach seiner Dissertation über ein Thema aus der
Tradition
brahmanischer indischer Logik wandte er sich den
buddhistischen
philosophischen Traditionen zu, seit Mitte der sechziger
Jahre steht
die Tradition buddhistischer Erkenntnistheorie und Logik
im Mittelpunkt
seiner Forschungen. Darüber hinaus
veröffentlichte er Studien
und Texte zum Thema der Wiederverkörperung, zur
frühen
Geschichte der tibetischen Interpretationen des
buddhistischen Erbes,
zur frühen buddhistischen Lehre vom Nicht-Ich, zur
Entstehung der
tibetischen kanonischen Literatur und zu frühen
tibetischen
religiösen Inschriften. 1991 leitete er eine
österr.-ital.
Expedition zum 1000 Jahre alten Kloster von Tabo im
indischen Himalaya
und initiierte die Erschließung seiner tibetischen
Handschriftenschätze. Seit 1993 leitet und
organisiert er die
Zusammenarbeit österreichischer Tibetologen und
Sozialanthropologen mit der Tibetischen Akademie
für
Sozialwissenschaften, Lhasa, und seit 2003 die
Zusammenarbeit
österreichischer Wissenschaftler mit dem
Chinesischen
Tibetforschungszentrum in Beijing. Durch einen
Generalvertrag zwischen
der ÖAW und dem nationalen Tibetforschungsinstitut
in Beijing
konnte Ernst Steinkellner erstmals einen Zugang zu den
ca. 4000
Sanskrit-Handschriften in Tibet ermöglichen, deren
Erschließung eine neue Ära in der Erforschung
des indischen
Buddhismus bedeuten. Schüler Ernst Steinkellners
lehren heute u.a.
in Cambridge, Tokyo, Tsukaba und Wisconsin.
Wien, 2008